Der Ausstellungsort ist imposant: Die Zeche Zollern liegt in einem Vorort von Dortmund, der einmal pro Stunde von einer Bimmelbahn angefahren wird. Zwischen kleinen Koloniehäusern erhebt sich eine riesige Anlage, die 1898 als "Musterzeche" im Stil des Historismus gebaut wurde. In vielen der geschlossenen Fabriken und Zechen tragen inzwischen Kunst und Kultur dazu bei, das Image des Kohlenpotts als Standort für New-Economy-Unternehmen aufzupolieren.

"Heute ist morgen", orakelt die Einladung zur Ausstellung "vision. ruhr" in der Zeche Zollern - als ginge es darum, ein Internetunternehmen an den Neuen Markt zu bringen. Doch die meisten der 25 Künstler, deren Arbeiten in Dortmund zu sehen sind, gehören nicht zu den Zukunftshoffnungen der Medienkunst-Branche, sondern zum Mittelfeld, das schon seit einem Jahrzehnt diese Art von Präsentation bestückt: Künstler wie

Nun darf bezweifelt werden, ob es sich um Interaktivität handelt, wenn man Kunstwerke anschreien muss, damit die eine Reaktion zeigen - wie die Arbeit der italienischen Gruppe Studio Azzuro. Wer laut genug neben drei in den Boden eingelassenen Videoprojektionsflächen lärmt, wird mit dem Anblick menschlicher Leiber belohnt.

Die Rache der Besucher

Zu oft besteht bei "vision.ruhr" die Pointe der Arbeiten darin, dass der Betrachter einen Impuls auslöst, der eine Laserdisk aktiviert. Dass das keine Interaktion mit einem Kunstwerk, sondern eher eine Manipulation des Zuschauers ist, zeigt die Arbeit "Exchange Fields" des Amerikaners Bill Seaman. Hier genügt es nicht, dass der Betrachter auf einen Knopf drückt, hier muss er diverse Körperteile in dafür vorgesehene Formen pressen, um eine Ballerina auf der Leinwand zu animieren. Museumskuratoren berichten, dass bösartige Besucher dieses Werk so lange traktieren, bis es abstürzt - die Rache derer, die sich von solchen Arbeiten zur interaktiven Laborratte degradiert sehen.

Bleibt die Arbeit von Jochen Gerz, die schon jetzt ein Publikumsliebling geworden ist: Für "Das Geschenk" kann sich jeder Ausstellungsbesucher fotografieren lassen und erhält dafür eine Fotografie von einer anderen Person. Ob das ein Geschenk an die Besucher, an die Stadt Dortmund oder für den Künstler selbst ist, bleibt offen - auf jeden Fall wird diese Arbeit wohl mehr Interaktion auslösen als alle Medienkunstinstallationen in der Zeche Zollern zusammen.

"vision.ruhr": bis 20. August, Zeche Zollern II/IV, Dortmund-Bövinghausen, Infos unter www.vision-ruhr.de