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Aber nicht alle Netzkünstler geben sich damit zufrieden, Homepages für das World Wide Web zu gestalten. Der Amerikaner PAUL GARRIN hat gleich ein ganzes Programm geschrieben, mit dem man seine eigene Internet-Domain kreieren und anmelden kann. Damit will er sich gegen die Monopolisierung der Vergabe von Netzadressen durch das amerikanische Unternehmen Network Solutions wenden.

Der Engländer HEATH BUNTING, der ebenfalls bei der Documenta vertreten ist, hat zwar seine Spaziergänge durch London im Web auf einer Homepage dokumentiert. Aber seine neueste Arbeit ist eine direkte Intervention gegen die Sachzwänge, die das Netz seinen Benutzer aufzwingt: eine monatlich wechselnde E-mail-Adresse soll ihn vor unerwünschten Werbemails bewahren Der New Yorker JORDAN CRANDALL thematisiert in seiner Installation, die bei der Documenta zu sehen ist, die Verhaltensweisen, die technologische Innovationen ihren Usern diktieren: "Die Dinge, die man immer wieder tut, sind in zunehmenden Maß an die Funktionsweisen von technolo-gischen Systemen gebunden, ohne daß man es merkt." Zu den technologischen Systemen, die uns wie Marionetten steuern, zählen für Crandall die allgegenwärtigen Handys genauso wie das Internet. Zu seiner documenta-Arbeit in Kassel gehört darum auch eine Internet-Site, die seine Installation in den virtuellen Raum des Internet verlängert (Link zum entsprechenden Artikel).

Die Werke der Netzkunst sind nicht nur in einem Medium realisiert, das nicht zum Kanon des traditionellen Kunstschaffens gehören; sie reichen oft auch weit über das hinaus, was man herkömmlicherweise unter Kunst versteht. Aber diese Arbeiten sind eine praktizierte Überprüfung und Kritik des neuen Mediums. Und wer sollte das sonst leisten, wenn nicht Künstler?

Tilman Baumgaertel / Kerstin C. Krüger

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