"Wir sind enttäuscht über die aggressive Atmosphäre. " Esther Dyson, Icann-Vorsitzende

Internal Server Error" war alles, was auf der Website der Icann gestern Abend noch zu lesen war. Wer sich noch schnell in letzter Minute für die Wahl der neuen "Internetregierung" anmelden wollte, hatte Pech gehabt: der Internetcomputer der Icann war wieder einmal unter dem Ansturm der User zusammengebrochen. Damit steht einmal mehr die demokratische Legitimation des Verfahrens in Frage: Wer weiß, wie viele Wähler aus technischen Gründen nicht an der Abstimmung teilnehmen können?

Kein schöner Start für die Wahl, in der in den kommenden Monaten die Direktoren einer Organisation bestimmt werden sollen, die von vielen als "Internetregierung" betrachtet wird. Denn die "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (Icann) ist unter anderem für die Vergabe der so genannten Top-Level-Domains - wie zum Beispiel ".com",".org" oder ".de" - zuständig. Auch andere wichtige Entscheidungen zur Technik und Struktur des Internets werden von der Icann getroffen.

Die meisten Wähler aus Asien

Die Führung dieses Gremiums soll von "Netzbürgern" aus der ganzen Welt gewählt werden. Wahlberechtigt ist jeder Mensch, der älter als 16 Jahre alt ist und eine E-Mail-Adresse besitzt. Bis Montagnacht um 24 Uhr amerikanischer Ortszeit konnte man sich auf derWebsite der Icann als Wähler registrieren - wenn man denn auf dem überlasteten Server dazu kam.

Die meisten Wahlberechtigten für die Internet-Verwaltung Icann kommen aus dem asiatischen Raum: 93 782 Netznutzer meldeten sich aus der Region "Asia and Pacific" an. Deutschland ist mit 20 457 registrierten Wählern auf Platz drei und damit das europäische Land mit den meisten Wahlberechtigten.

Insgesamt haben sich knapp 159 000 Internet-Nutzer für die Wahl angemeldet. Und entgegen anfänglicher Vermutungen wird die Wahl nicht von amerikanischen Netzbürgern dominiert: Knapp 60 Prozent der Registrierungen kommen aus Asien und dem Pazifischen Raum, 23 Prozent aus Europa und nur rund 14 Prozent aus Nordamerika. Lateinamerika und die Karibik stellen 4 Prozent der Wähler, Afrika ist mit 0,5 Prozent das Schlusslicht.

In absoluten Zahlen kommen die meisten Anmeldungen aus Japan (38 931), gefolgt von China (33 670). Die USA landeten mit 19 501 Anmeldungen auf Platz vier. Auf den hinteren Plätzen der Teilnehmerliste finden sich fast ausschließlich Länder der "Dritten" Welt: aus Bangladesch haben sich zum Beispiel nur fünf Wähler angemeldet, aus Libyen und dem Jemen sogar nur jeweils einer.

Kritik am Wahlverfahren

Nicht nur die Verteilung von Wählerstimmen, die nichts mit den tatsächlichen Bevölkerungszahlen zu tun haben, hat Kritik an dem Wahlverfahren ausgelöst. Bis jetzt sind auch viele organisatorische Details der Wahl unklar; selbst der Termin scheint noch nicht endgültig festzustehen.

Etwas säuerlich ließ die derzeitige Icann-Vorsitzende Esther Dyson nach Abschluss der Registrierung daher per Pressemitteilung verlauten: "Wir freuen uns über die Zahl der Teilnehmer, aber wir sind etwas enttäuscht über die aggressive Atmosphäre, die Die Icann hat eine Studie in Auftrag gegeben, die den Ablauf der Internetwahl beurteilen soll.

Von den Ergebnissen dieser Studien hängt ab, ob alle neun Icann-Direktoren von der Netzöffentlichkeit gewählt werden. Bei der Wahl, die im Oktober stattfindet, sollen nur fünf Direktoren bestimmt werden; die Kandidaten für diese Position werden zurzeit gesucht.