Die "Projektgruppe Kulturraum Internet" des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) legt ihren Schlußbericht vor. "Internet... The Final Frontier: Eine Ethnographie" ist ein abschließender Überblick über die Aktivitäten der Forschungsgruppe, die sich als eine der ersten, wenn nicht als erste akademische Institution in Deutschland, mit dem Internet aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive beschäftigt hat.
Zwischen 1993 und 1998 hat die Gruppe die Entwicklung des Internets von einem akademischen Phänomen zu einem werdenden Massenmedium beobachtet, die sie in zahlreichen Publikationen reflektierten; die "Kulturraum Internet"-Gründerinnen Sabine Helmers, Ute Hoffmann und Jeannette Hofmann wurden zu gerne gesehenen Referentinnen bei Medien- und Netzveranstaltungen. Ihre Gedanken und ihre Forschungsergebnisse zu so unterschiedlichen Themen wie dem Usenet oder UNIX, der Metapher von der Datenautobahn oder der "Körperlichkeit im Cyberspace" sind bis auf weiteres auf einem eigenen Server zu finden; dem Abschlußbericht ist die gesamte Website übrigens als CD-Rom beigegeben.
"Die Wahrnehmung des "Angeschlossenseins", das Mitte der 90er Jahre noch von einer Aura des Sensationellen umgeben war, gewinnt zusehends Alltäglichkeit bis hin zum Verschwinden der Grenzen, die die virtuelle Welt einst von der Realtwelt getrennt haben", resümieren sie in dem Abschlußbericht. "Die neuen Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten, die sich aus der Verbindung von Immaterialität, globaler Raum-Zeit-Gleichheit und erweiterten Spielräumen in der Repräsentation von Menschen und Objekten ergeben, sind in einem Maße gesellschaftlich intergriert worden, daß sie inzwischen als nahezu selbstverständlicher Bestandteil von Öffentlichkeit wahrgenommen werden."
Das heißt aber nicht, daß das Internet inzwischen zu einem Massenmedium wie dem Fernsehen geworden ist: "Ob sich das Internet den traditionellen gesellschaftlichen Organisationsformen anverwandelt und mithin im überkommenen Sinne regieren lassen wird, entzieht sich nach wie vor der Macht derjenigen, die staatliche Regierungsgewalt ausüben und bleibt damit eine offene Frage." Nicht nur darum ist es bedauerlich, daß nun auch die "Projektgruppe Kulturraum Internet" ihre "final frontier" erreicht hat, denn eine akademische Betrachtung des Internets ist auch heute keineswegs überflüssig.
Daß die kleine Forschungsgruppe auch eine soziale Funktion innerhalb der sich entwickelnden Netzszene in Deutschland hatte, zeigt ein kleines Fotoalbum von allen möglichen Festivals und Konferenzen, bei dem man mehr als einmal alte Bekannte im Bildhintergrund wiederfindet. Daher: Macht's gut und danke für den Fisch.
Sabine Helmers, Ute Hoffmann, Jeannette Hofmann: Internet... the Final Frontier: Eine Ethnographie, 136 Seiten mit CD-Rom. Bestellung gegen einen adressierten Aufkleber und eine 1-Mark-Briefmarke bei: Wissenschaftszentrum Berlin Presse- und Informationsreferat Reichpietschufer 50 10785 Berlin