Generation LAN Was passiert eigentlich auf einer LAN-Party? Vor allen Dingen wird am Computer geballert. Aber nebenbei entwickeln die User auch neue Methoden, um mit dem Rechner umzugehen...
Von Tilman BaumgärtelVon außen sieht die alte Fabrikhalle nach nichts besonderem aus. Zu DDR-Zeiten war hier ein Stahlwerk, das nach der Wende geschlossen wurde. Jetzt steht die Backstein-Halle leer, auf dem verwahrlosten Gelände um sie herum sprießt das Unkraut. Etwa fünfzig Autos sind auf dem ungeteerten Parkplatz geparkt. Gelegentlich werden hier Techno-Parties gefeiert. Aber an diesem Wochenende wird im „Magic Gate“ eine andere Form elektronischer Kultur praktiziert. Bevor wir in die Halle hineingehen, treffen wir ihren ersten Vertreter. Ein junger, schlaksiger Typ mit blassem Gesicht und weiten T-Shirt tritt aus dem Eingang. Er kneift die Auge zusammen, blinzelt kurz in die Nachmittagssonne, knetet mit der linken Hand seinen rechten Unterarm. „Äääh, Tageslicht“, sagt er nach kurzem Nachdenken und geht – ohne sich umzudrehen – rückwärts zurück in Halle.
Wir folgen ihm durch die schwarzen Vorhänge, die das Innere der Halle abschirmen, und dann haben wir Schwierigkeiten, etwas zu sehen, denn hier drin ist es stockdunkel. Die gesamte riesige Halle wird lediglich vom Licht von über zweihundert Computermonitoren erleuchtet. In Reihen neben- und hinter aufgebaut stehen sie, vor ihnen Menschen mit konzentrierten Gesichtsausdruck, die meisten von ihnen Jungs um die zwanzig. Der Raum wirkt wie eine abgedunkelte Version des NASA-Kontrollzentrum in Houston, das aus unerfindlichen Gründen in der brandenburgischen Provinz in der Nähe von Berlin gelandet ist. Die dunkle Halle erinnert an Platos Höhle, bloß das die Gefesselten hier nicht alle auf die gleichen Schattenspiele sehen, sondern jeder auf die Schemen auf dem eigenen Bildschirm. Und dass die Schemen auf dem Bildschirm sie selbst sind. Wir sind auf einer LAN-Party, bei der an diesem Wochenende drei Tage und Nächte lang nur eins gemacht wird: mit dem Computer spielen – bis zur totalen Erschöpfung, bis man mit dem Kopf auf der Tastatur für ein paar Stunden wegdämmert, um nach dem Aufwachen sofort weiterzuspielen. Über 200 Leute sind nach Hennigsdorf zu „MagicLAN“ gekommen. Bis zu zehn solcher LANs mit Namen wie „Leavin’ The Reality Behind“, „Slaughterhouse“ oder „eXtremzocken“ finden an jedem Wochenende in Deutschland statt. Zu den wirklich großen LANs, die oft im Ruhrgebiet oder in Süddeutschland stattfinden, tragen oft über 1000 Gamer ihre Rechner, um sie in das Local Area Network (LAN) einzustöpseln – das Computer-Netzwerk, das diesen Veranstaltungen ihren Namen gibt.
In der Halle in Henningsdorf ist es leise. Kaum hört man das Summen der Computerkühlungen, schwache Geräusche aus Kopfhörern, nur manchmal den unterdrückten Stöhnen von einem der Burschen, die wirken, als seien sie mit stieren Blick vor ihren Monitoren festgelötet. Ganz selten brüllt einer laut „Sch...“ und knallt seine Mouse fest auf den Tisch. Wahrscheinlich ist er gerade getroffen worden, auch wenn man das nur sehen kann, wenn man auf seinen Computermonitor blickt. Denn auf den Bildschirmen erstrecken sich in endlosen Variationen die digitalen Landschaften des Computerspiels „Counterstrike“: maurische Wüstenschlösser vor imposanter Bergkulisse, Hinterhöfe und LKW-Garagen in New York, ein postmodernes Bürogebäude, eine Villa mit riesigem Garten in einem amerikanischen Reichen-Suburb, ein Anwesen aus naturbelassenen Steinquadern mit holzverkleidetem Swimmingpool auf der Dachterrasse. Irgendwo in diesen Gebäuden im Computer stehen sie und schlottern: die Geiseln. Hagere ältere Herren mit Glatze und aufgeknöpfter Weste zittern in ihrem Arbeitszimmer, ein draller Manager-Typ ist in der Garage neben seinem Four-Wheel-Drive abgestellt worden, seine Sekretärin ist im Keller versteckt. Die Computerspieler in der Magic-Hall sind entweder damit beschäftigt, diese Geiseln zu bewachen oder sie zu befreien. Denn das ist der Sinn von „Counterstrike“: Terrorist gegen Counter-Terrorist, Räuber gegen Gendarm. Das Spiel „Counterstrike“ ist durch die Morde von Erfurt in die Diskussion gekommen. Journalisten und „Medienexperten“ erklärten das Spiel für mitverantwortlich für den Amoklauf des 19jährigen Robert Steinhäuser. Gespielt haben dürften das Game nur wenige von ihnen, sonst hätten sie die Verantwortung für die Morde nicht ausgerechnet bei diesem Action-Strategiespiel gesucht. „Counterstrike“ ist ein Team-Spiel, bei dem sich Mannschaften per Zuruf oder über Kehlkopfmikrophone koordinieren als wären sie die GSG9. Blindes Ballern oder Alleingänge helfen niemandem weiter. „Counterstrike“ ist das avancierteste Computerspiel, das es im Augenblick gibt. Es verbindet die Eigenschaften von Ego-Shooter-Baller-Spielen mit Team-Play. Das Spiel ist ein kleines Universum auf der Festplatte. Und es dient nicht nur der Unterhaltung, Das Spiel zeigt ganz neue Möglichkeiten auf, wie man den Computer benutzen kann: zur Kooperation und Kommunikation in dreidimensionalen, digitalen Räumen. „Counterstrike“ ist die Wirklichkeit gewordene Virtuelle Realität, von der Anfang der Neunziger Jahre in kalifornischen Start-Up-Firmen geträumt wurde. Damals entwickelten eine Reihe von US-Unternehmen riesige Simulatoren, in denen man mit Datenhandschuh und den „Head-Mounted Displays“ – klobigen 3-D-Brillen – Avatare genannte Spielfiguren durch dreidimensionale Landschaften manövrieren konnte. Damals waren dafür unvorstellbar schnelle Spezialcomputer notwendig. In seinem gerade auf deutsch erschienen Roman „Schattenflucht“ beschreibt der amerikanische Schriftsteller Richard Powers einen dieser Simulatoren: „Dieser Raum war die unglaublichste Leistung ihrer Zeit, ihre Druckpresse mit beweglichen Lettern, ihre Karracke und Karavelle, ihr Heuwagen, ihre hängenden Gärten, ihre Basilika. Diese unauffälligen summenden Kästen beherbergten das Fantastischste, das Großartigste, das der kollektive Verstand der Menschheit bisher zustande gebracht hatte. Darin verbarg sich der tiefste Traum, das größte Tabu, alles, was die Menschen aus sich zu machen versuchten.“ Ein kurzer Hype der Virtual Reality setzte ein, es gab einige Kongresse, immer neue Maschinen wurden entwickelt. Und dann kam die Frage auf, wofür diese wunderbaren Geräten denn gut sein sollen. Nach einem Jahr war die VR-Mode vorbei, und das Internet war das nächste große Ding. Spielen. Das ist die Antwort, die die Gamer im Magic Gate auf die Frage nach dem Sinn von Virtual-Reality-Simulationen gefunden haben. Sie benötigen keine teuren Super-Computer mehr, um sich durch die virtuelle Realität zu bewegen, ihnen genügen handelsübliche Rechner aus dem Media Markt mit einer schnellen Grafikkarte. Datenhandschuh und 3-D-Brille sind durch handelsübliche Monitore und Mouse ersetzt worden. In Kinderzimmern und bei LAN-Parties ist das Versprechen der Virtuellen Realität von 1990 wahr geworden. Die Gamer haben in ihrem Computer eine Anwendung für die virtuelle Realität gefunden, die sie so fasziniert, dass sie an diesem Wochenende drei Tage lang nichts anderes tun wollen, als sich durch diese digitalen tableaux vivants, durch diese neue Welt zu jagen – am liebsten durch die „Level“ genannten Spielfelder von „Counterstrike“.„Counterstrike“ ist ein Phänomen auf dem unglaublich schnellen Markt der Computerspiele. Die meisten Games sind nach einem halben Jahr wieder aus der Mode. „CS“, wie es seine Anhänger nennen, tauchte vor drei Jahren im Internet auf, war nach einigen Monaten das beliebteste Computerspiel der Welt, ohne das irgendein Software-Multi dafür geworben hätte, und ist das bis heute geblieben. Es wird noch immer mit unverminderter Begeisterung bei LAN-Parties, in Internet-Cafes oder von zuhause über das Netz gezockt. Und es wird nicht von Firmen wie Atari oder Nintendo weiterentwickelt, sondern vor allem von seinen Fans. Wie das alternative Betriebssystem Linux, an dem ehrenamtlich Programmierer rund um den Globus arbeiten, stammen auch bei „Counterstrike“ viele der „Levels“ und Spielfiguren von den Spielern. Manche dieser neuen Szenarios sind so groß, dass es eine zeitlang dauert, bis sich die Spieler in ihnen überhaupt gefunden haben. Und die „Levels“ müssen keineswegs immer nur naturalistische Forts und Büros sein. Auch auf einem dreidimensionalen Monopoly-Brett oder in Kulissen aus dem Spielberg-Film „Jurassic Park“ kann man „Counterstrike“ spielen – beim diesem „Mod“ sind die Geiseln übrigens Dinosaurier. Was früheren Generationen Knete, Malkasten oder Balsa-Holz waren, ist für die Generation LAN die „Game Engine“ des Spiels: ein Medium, mit dem man kreativ sein und gestalten kann. In diesem Fall wie ein Gott gleich eine ganze Welt. Ein Universum, das nach den eigenen Regeln funktioniert und in dem man seine eigenen Abenteuer erleben kann. Nebenbei lernt man gleich noch, wie man hochkomplexen 3-D-Modelling-Programmen bedient, die wohl die meisten deutschen Informatikprofessoren überfordern würden. „Counterstrike“ – und jedes andere Computerspiel auch – ist eine Code gewordene Allmachtsphantasie. Vielleicht ist es das, was Jungs in einem gewissen Alter so daran fasziniert und vielleicht erinnern LAN-Parties darum auch an die Initiationsriten, bei denen sich die jungen Männer einer Gemeinschaft für eine gewisse Zeit zurückziehen, um gemeinsam zu leben. „Counterstrike“ zeigt eine Welt, die man bewältigen kann, wenn man sich an die Regeln hält. Eine Mauer, die so hoch ist, dass man nicht über sie hinüberspringen kann? Einfach die Space-Taste drücken. Man schießt immer daneben? Da hilft der „Aim-Bot“, ein kleines Zusatzprogramm, das dafür sorgt, dass die Kugeln den Gegner treffen. Aber halt, das ist ein „Cheat“, eine Mogelei! Und wer dabei erwischt wird, dem wird bei der LAN-Party der Rechner vor die Hallentür gestellt. Die Jungs bei der „MagicLAN“ mögen dabei wirken wie Peter Pan und seine Lost Boys in ihrem erwachsenenfreien Nimmerland, aber sie hier lernen auch, wie man sich als Erwachsener verhält: wie man sich an manche Regeln hält und wie man die zu verändern versucht, an die man sich nicht halten will. Sich Regeln geben, diese Regeln befolgen – darum geht es bei „Counterstrike“ und darum geht es auch bei einer LAN-Party. Aber die Welt von „Counterstrike“ und der LAN-Party ist auch eine Welt, die man sich zu eigen machen und nach seinen eigenen Vorstellungen einrichten kann. Das Design des eigenen Computers ist langweilig? Dann baut man ihn eben um, sägen das Logo seines Lieblingsspiel hinein und legt ihn innen mit leuchtenden Drähten aus. Wenn man im Spiel die Bits und Bytes der virtuellen Wirklichkeit den eigenen Bedürfnissen anpassen kann, dann kann man es auch mit den Atomen im physischen Raum. Auch wenn man „Counterstrike“ spielen kann, ohne jemals einen Blick auf dessen Computercode geworfen zu haben – viele der Gamer, die nach Hennigsdorf gekommen sind, haben aus ihrem Hobby einen Beruf gemacht, studieren Informatik oder arbeiten als Systemadministrator. „Wenn man früh genug am Rechner sitzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man es weit bringt“, sagt der 15jährige Matthias. Er ist Schüler und hat das Netzwerk aufgebaut, über das über 200 Gamer gegeneinander spielen – keine leichte Aufgabe, manche mittelständische Computerfirmen würde sie überfordern. Seit drei Tagen ist er mit anderen Mitgliedern seines „Clans“ in der Fabrikhalle, verlegt Kabel, prüft den Datendurchsatz auf den Leitungen, versteckt Netzwerkknoten unter Heizungsrohren, damit keiner drüberstolpert. Eine Woche mussten sich die Organisatoren der Veranstaltung frei nehmen, und zum Spielen kommt bei der eigenen LAN-Party kaum jemand.
Matthias gehört zu dem „Clan“, der „MagicLAN“ organisiert hat. Ein „Clan“ ist eine Mannschaft von Gamern, nicht viel anders als ein Tischtennis-Verein oder eine Fußball-Mannschaft – bloß dass es bei einem „Clan“ keinen Jugendwart, kein Vereinsheim und keine Satzung gibt. Die meisten der 40 Mitglieder sind um die zwanzig, Schüler, Auszubildende, Zivildienstleistende, Studenten in den ersten Semestern. Matthias’ Clan heißt „Mit Freude Ballern“ (MFB), ein Name, mit dem man inzwischen nicht mehr ganz glücklich ist. Clan-Mitglieder, die ihre Sweatshirt mit dem Namen und dem Clublogo bedruckt haben, wurden in der Schule von ihren Lehrern nach hause geschickt. Dabei sind sie alle nicht nur alle gegen Gewalt, sondern auch überzeugt, dass „Counterstrike“ nicht für „Gewaltbereitschaft“ verantwortlich sei, im Gegenteil: „In jeder Disco und bei jedem Fußballspiel gibt es mehr Schlägereien als bei einer LAN-Party“, sagt der 20jährige Dennis, der ebenfalls Mitglied von „MFB“ ist. „Das schlimmste, was hier passiert, ist eine Rempelei, wenn einer dem Computer von einem anderen zu nahe kommt. Und manchmal schreien sich die Leute aus Frust an, wenn sie verloren haben.“ Seinen Nachnamen will er wie die anderen nicht nennen – zu sehr misstrauen die Gamer inzwischen „den Medien“, die so negativ über ihr Hobby berichtet haben. „Diese Artikel über ‚Counterstrike’ waren ein Schlag vor dem Kopf für alle, die guten Journalismus lieben“, sagt der 21jährige Marcel. „Sogar in der FAZ standen Artikel, die das Niveau der Bild-Zeitung hatten. Die Community hat in den Medien noch nie im rechten Licht gestanden. Aber das schweißt sie nur enger zusammen“ Für die Opfer von Erfurt haben sie trotzdem eine Schweigeminute eingelegt. Der Amoklauf von Robert Steinhäuser hat ihre Veranstaltung die Sponsoren gekostet: Firmen wie McDonalds oder Pro Markt, die schon zugesagt hatten, die Preise zu sponsern, haben sich nach dem Amoklauf zurückgezogen. Statt Software oder Computer-Zubehör gibt es nun wie beim Schützenfest zwei Blechpokale zu gewinnen. Ansonsten hoffen die Mitglieder von MFB, dass sie bei der Veranstaltung keine Schulden machen. Denn wie die meisten LAN-Partys ist „MagicLAN“ keine kommerzielle Veranstaltung, sondern wird aus Idealismus organisiert. Und im übrigen, so schlägt Dennis vor, sollte man eine LAN-Party als eine Art Sportveranstaltung betrachten, bei der der Sport eben am Computer ausgeübt wird. Die 15-minütigen Spiele, in denen ein Clan gegen den anderen antritt, sind in der Tat organisiert wie ein Fußball-Turnier. Die Ergebnisse werden der World Wide Championship of LAN Gaming (WWCL) mitgeteilt, wo eine Art Bundesliga-Tabelle der besten Clans in Computerspiel-Disziplinen wie „Counterstrike“, „Quake3“ oder „Unreal“ geführt wird. Und wie bei anderen Athleten gilt auch bei den „E-Sportlern“: „Keine Macht den Drogen!“ Denn Alkohol oder Grass senken die Reaktionsgeschwindigkeit herab. Sagen die Gamer wenigstens, wenn man sie fragt. Den leichten Marihuana-Geruch in einigen dunklen Ecken der Halle erklärt das nicht. Die Turniere könnte man eigentlich auch über das Internet durchführen, aber viele Gamer kommen vor allem zu den LANs, um sich persönlich kennen zu lernen. Um herauszufinden, was für Menschen sich hinter „Screen-Names“ wie Terror, R2D2, Digger oder Psycho verbergen. Doch obwohl seine Mitglieder immer wieder den sportlichen Charakter der LAN-Party und die Harmlosigkeit von Spielen wie „Counterstrike“ betonen – mitspielen lässt der MFB-Clan nicht jeden. Weil „Counterstrike“ erst ab 16 freigegeben ist, muss jeder Besucher sein Alter mit dem Personalausweis beweisen; Gamer, die noch nicht volljährig sind, müssen sogar eine unterschriebene Einverständniserklärung ihrer Eltern vorzeigen. Dass Computerspiele mit Altersbeschränkungen versehen werden, findet der MFB-Clan in Ordnung. „Ich bin dagegen, dass Kinder ‚Counterstrike’ spielen“, sagt Dennis. „Es ist zu gewalttätig und zu schnell.“ Zu schnell? „Ja, wenn man so ein Spiel lange spielt, entwickelt man eine Reaktionsgeschwindigkeit, mit der man im Alltag überhaupt nicht mehr funktionieren kann. Das verändert die Art, wie man die Realität wahrnimmt. Die Schule kommt einem dann vor wie in Zeitlupe“, erklärt sein Freund Christian. Wenn das Studium es verlangt, würde er darum das Spielen stark reduziert oder ganz eingestellt. „Mir fällt es nicht schwer, eine zeitlang auf Counterstrike zu verzichten“, sagt auch Dennis. „Man muss zwar regelmäßig trainieren, wenn man richtig gut sein will. Aber wir machen das vor allem aus Spaß an der Freude. Eigentlich tun mir Leute, die nur vor dem Computer sitzen und spielen, ein bisschen leid.“ Früher beliebte Ballerspielen wie „Doom“ oder „Quake“ spielten meist in dunklen Kellern, in denen man von Comic-Monstern gejagt wurde, die aus finsteren Ecken nach dem Spieler Jagd machten – ein Zugeständnis an die Computer von damals, die für dunkle Flächen weniger Rechenleistung brauchten. Dann wurden die Computer immer schneller, denn Spiele gehörten schon immer zu den wichtigsten Gründen, aus denen Rechner sich weiterentwickelten. Und dann kam „Counterstrike“, dass so clever programmiert ist, dass nun auf unserem Desktop Landschaften und Gebäude im hellsten Sonnenlicht erstrahlen können. Dschungel oder Pelztiere wird das Programm noch lange nicht darstellen können, XXX und XXX schon.
Eigentlich ist das ganze Spiel selbst bloß ein „Mod“: entwickelt wurde es aus dem Ballerspiel „Half-Life“, bei dem man sich durch eine Raumstation ballern musste. „Half-Life“ bot seinen Spielern schon die Möglichkeit, eigene Levels zu schaffen. Eins dieser Levels hat sich durch den Einsatz von tausenden von Hobby-Programmierern zu einem neuen Spiel entwickelt, das man nun auch im Team spielen kann und dessen Grafik das Original um einiges übertrifft. „Wegen dem Datenaustausch“ sagt der 19jährige Mirko, wenn man ihn fragt, warum er zu der LAN-Party gekommen ist. Die „Daten“ – das sind die Adressen und Handynummer von den neuen Freunden, die er in den letzten Tagen kennen gelernt hat. „Daten“ – das sind aber auch MP3-Musikdateien und Computerprogramme, die über die LAN ausgetauscht werden.