Doch Byrne geht es nicht darum, sich seine eigenen Taschen mit dem neuen Zahlungsmittel zu füllen. Seine Internet-Aktion "Coin - Note - Sign" ist Teil eines Kunstwerks, das bald bei dem Internet-Kunstfestival "x99" in Loirent in der Bretagne zu sehen sein wird. Dafür hat Byrne auf seiner Homepage im Internet die offiziellen Entwürfe für den Euro zu Herunterladen bereitgestellt.

Byrne greift mit seiner Aktion der EU um gut zwei Jahre voraus: Im vereinigten Europa sollen die Euros, die im Augenblick noch eine rein virtuelle Währung sind, erst im Jahr 2002 zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel werden. Gleichzeitig weist der Künstler mit "Coin - Note- Sign" auf eine der großen Schwächen des Euros hin: um nationale Konflikte zu vermeiden, ist die Gestaltung der Scheine betont neutral. Statt Versailles oder dem Kölner Dom sind nur gesichtslose Gebäude auf den Scheinen zu sehen, die an eine bestimmte architektonische Epoche erinnern sollen.

Byrne: "Ein Nebeneffekt dieser Neutralität der Geldscheine ist, daß es die schreckliche Geschichte nationaler Konflikte in Europa verheimlicht, die die EU und der Euro ja angeblich in Zukunft vermeiden sollen. Trotz dieser gut gemeinten Ziele gibt es den Verdacht, daß die Währung eher zum Vorteil von globalen Unternehmen da ist als für die Bürger Europas.

Mit einem anderen Künstlerschein kann man gleich Seelen kaufen und verkaufen, die Entwürfe anderer Künstler sind dagegen so schön, daß man sie den "echten" Euros jederzeit vorziehen würde. Daß die Europäische Notenbank sich von der Aktion überzeugen läßt, die Euro-Scheine noch einmal zu überarbeiten, dürfte allerdings ausgeschlossen sein.