Paul Freiberger & Michael Saine Fire in the Valley - The Making of the Personal Computer. McGraw-Hill New York 16,95 Dollar.
Lass uns viel Geld verdienen: Microsoft-Gründer Bill Gates und Partner Paul Allen 1981.
I tried to be normal, the best I could.
Bill Gates in "Fire in the Valley"
Als er nach drei Wochen noch kein Paket bekommen hatte, entschied sich Steve Dompier, selbst nachzusehen, wo seine Maschine blieb. Er buchte einen Flug von San Francisco nach Albuquerque, nahm sich am Flughafen einen Mietwagen, und fuhr zu der Firma MITS. Er hatte ein Bürogebäude oder eine Fabrik erwartet, aber er fand sich in einer etwas verwahrlosten Shopping Mall wieder. Doch am Fenster eines kleinen Ladens neben einer Schnellreinigung stand tatsächlich in großen Buchstaben: MITS.
Dompier betrat das Geschäft, um nach seinem Computer zu fragen. Ein überfordert wirkender Angestellter suchte in den drei Büroräumen kommentarlos einige Einzelteile zusammen, steckte sie in eine Plastiktüte und drückte Dompier das Ganze zusammen mit einer Bauanleitung in die Hand. So wurde der kalifornische Computerfreak zum stolzen Besitzer des Rechners, der als der erste Personalcomputer in die Technikgeschichte eingegangen ist: der Altair 8800.
Wer wissen will, wie aus der Hacker-Kiste für 395 Dollar das Milliarden-Geschäft werden konnte, das die Computerindustrie heute ist, sollte zu dem Buch "Fire in the Valley" von den amerikanischen Computerjournalisten Paul Freiberger und Michael Swain Das Buch, das 1984 zum ersten Mal erschien und nun in einer vollkommen überarbeiteten "Millennium-Edition" vorliegt, erzählt davon, wie der Computer vom riesigen "Elektronengehirn" in Universitäten und Forschungslaboren zum alltäglichen Leider liegt es bisher nur in englischer Sprache vor.
"Fire in the Valley" erzählt die Geschichte der komischen Bastler, ihrer merkwürdigen Erfindungen und der Firmen, die sie gründeten, und deren Namen heute kein Mensch mehr kennt. Eine von ihnen hieß "Kentucky Fried Computers", bis eine fast gleichnamige Fastfood-Kette ihnen ein Verfahren androhte. In einer anderen nahm die Freundin des Gründers die Bestellungen per Telefon entgegen, während sie sich nackt im Garten hinter ihrem Haus sonnte.
Auch MITS wurde nicht von professionellen Managern geführt, sondern von Computer-Hobbyisten. Als die Bastlerzeitschrift "Popular Electronics" einen Prototypen ihres Altair-Computers auf dem Titel veröffentlichte, war das Gerät noch gar nicht fertig. Trotzdem gingen in wenigen Tagen mehrere tausend Bestellungen für das Gerät ein. Schon bald kamen ungeduldige Elektronikbastler wie Steve Dompier selbst vorbei, um sich ihr Gerät abzuholen. Ein Computerfreak soll mehrere Tage in seinem VW-Bus neben dem MITS-Geschäft übernachtet haben, um seinen Bausatz mit nach Hause nehmen zu können.
Das Betriebssystem, mit dem der Altair lief, war eine Version der Programmiersprache BASIC, die von einer Firma namens Micro Soft entwickelt worden war. Die beiden Gründer waren zwei Jurastudenten von der Eliteuniversität Harvard: ein blasser Hacker namens Bill Gates und sein vollbärtiger Freund Paul Allen. Die beide machten mit Software später ein Vermögen und gehören heute zu den reichsten Leuten der Welt. Ed Roberts, der Gründer von MITS, wurde dagegen später Arzt, dann Farmer und lebt heute als Rentner in Florida.
Die PC-Revolution der 70er- und 80er-Jahre hat Gewinner und Verlierer hinterlassen. "Fire in the Valley" erzählt ihre Geschichte auf ebenso unterhaltsame wie lesbare Weise, wenn auch aus rein amerikanischer Perspektive. Wer wissen will, wie unser aller PC entstanden ist, liegt mit diesem spannenden Buch richtig.