VIVA PLUS. Supergummigutgelaunte Moderatoren von Viva Plus

Der erste Anrufer heißt Mike und klingt am Telefon, als hätte er Klebstoff geschnüffelt. Eigentlich will er sich bei Viva Plus, dem neuen Musiksender, der am Montag Premiere hatte, einen Musiktitel wünschen. Aber da hat er wohl vergessen, erst mal die Gebrauchsanweisung zu lesen. Sonst wüsste er nämlich, dass er bei Viva Plus zwar im Internet beim "Top-Ten-Voting" mitmachen kann. Aber einfach so bei einer Sendung durchkommen und sich einen Titel vorspielen lassen - so geht es natürlich nicht, wie ihm das vierköpfige Moderatorenteam im Chor erläutert. Stattdessen soll er doch lieber sagen, wie gut ihm Viva Plus gefällt. Aber viel mehr als ein unwilliges Gebrummel ist Mike da schon nicht mehr zu entlocken. Ein passender Beitrag zu einer Senderpremiere, bei der so ziemlich alles schief ging, was schief gehen konnte.

Es gibt viel zu lernen am ersten Sendetag von Viva Plus. Denn der Zuschauer soll sich per Netz, Telefon, Fax und SMS an dem neuen Programm beteiligen, und wie das geht - das will ausführlich erklärt sein. Die Moderation von Julia, Yousef, Mirjam und Katjuschka, die in einem Schattenreich von einem Studio vor der Kamera kuscheln und durcheinander reden, besteht darum in einer ununterbrochenen Animation zum Mitmachen: Wie gefällt Euch die Sendung? Wie das nächste Video? Was ist das Beste an Köln? Schreibt! Ruft an! Schickt Mails! SMS! Jetzt! Sofort!

Denn Messages, die per E-Mail oder SMS geschickt werden, sollen in einem der drei Laufbänder erscheinen, die im unteren Teil des Monitors vorbeifahren. In den beiden anderen laufen die neuesten Nachrichten, Tourneedaten, Internetadressen und so weiter. So soll es wenigsten sein.

Leider laufen dort in den "Crawls" in Wirklichkeit Fehler-Meldungen, die Ortszeit in Berlin, Los Angeles und Tokio und die "Nachricht", dass die Soulsängerin Mary J. Blige unter prämenstruellem Syndrom leidet. Dummerweise fehlt bei allen Worten aus unerfindlichen Gründen das F, und darum heißt das Hard Rock Café bei Viva Plus Ca e.

Dann - schwuppdiwupp - verschwinden die Laufbänder, als wäre den Senderverantwortlichen gerade aufgefallen, dass es keine so gute Idee ist, den halben Bildschirm mit laufenden Buchstaben vollzustapeln. Kurz vor Redaktionsschluss der "Berliner Zeitung" tauchen zwei von ihnen wieder auf; das dritte bleibt verschwunden. Sein Schicksal kann nicht geklärt werden.

"Interaktiv, informativ und international" soll Viva Plus sein, das trichtern uns die Moderatoren in den ersten Stunden immer wieder ein. Der Sender, der das wegen Erfolglosigkeit eingestellte Viva Zwei ablöst, ist unverkennbar nach dem Modell der verblüffend erfolgreichen Computershow NBC-Giga modelliert, bei der die Zuschauer über das Netz bei den Sendungen mitmachen können.

Bei Viva Plus ist das schon schwieriger, denn pünktlich zum Sendestart fällt die Website erst mal komplett aus. So sitzen die Moderatoren im Studio herum, und müssen von ihrem Urlaub in Südafrika erzählen, um die Zeit totzuschlagen, bis endlich eine E-Mail von einem Zuschauer eingetroffen ist.

Der Zweizeiler, der irgendwann kommt, ist schnell verlesen. Zum Glück gibt s Videos, um die Sendezeit zu füllen. Dann schaut der deutsche Rapper Thomas D. vorbei und erzählt von seiner neuen Band. Danach will er schnell wieder gehen, wird aber mit der Kraft von vier Moderatoren zurückgehalten.

In Hamburg, Berlin, Los Angeles und London hat der Sender Korrespondenten. Die müssen sich selbst mit kleinen Digitalkameras filmen, während sie berichten oder Interviews führen. Das Ergebnis sind verschwommene Bilder mit unverständlichem Ton, und bei den Berichterstattern offenbar lahme Arme vom Kamerahalten. Wenigstens im Bereich Low-Budget-Fernsehen dürfte Viva Plus also Maßstäbe setzen. Alles andere wird sich in den nächsten Tagen zeigen, wenn man bei dem Sender die Technik in den Griff bekommt.

Ach so, und die Musik? Solider Mainstream: Rock, HipHop, R n B, der so auch auf Viva laufen könnte.